Manila

Folge: 383 | 19. April 1998 | Sender: WDR | Regie: Nikolaus Stein von Kamienski

So war der Tatort:

Foto: WDR/Kerpenisan
Spendenförderlich. Manila ist nämlich kein normaler Tatort, sondern vielmehr Teil eines groß angelegten Medienpakets, das 1998 für großen Wirbel in der Öffentlichkeit sorgt. Es widmet sich einer ehrenvollen Aufgabe: der Bekämpfung von Sextourismus und Menschenhandel. Direkt nach der Erstausstrahlung des Krimis diskutiert Talkmasterin Sabine Christiansen die Problematik unter anderem mit den beiden Hauptdarstellern Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär, die zugleich den sogenannten Tatort-Verein ins Leben zu rufen, der sich für benachteiligte Kinder und deren Belange einsetzt. Dabei wird eine Kontonummer eingeblendet, und am Ende kommt eine sechsstellige Summe für den guten Zweck zusammen. In Manila, der erfreulicherweise nicht zum peinlichen PR-Streifen á la Im Abseits verkommt, ist das benachteiligte Kind der in Ostasien entführte Philippino March (Tom Taus), dem in Deutschland ein finsteres Schicksal blüht. Doch der Kleine hat Glück im Unglück: Er flieht vom Rücksitz des zwielichtigen Staatsanwalts Johannes Wehling (eiskalt: Mathieu Carrière, Bei Auftritt Mord), der in den Menschenhandel verstrickt zu sein scheint, und landet direkt vor Ballaufs Motorhaube. Anders als Schenk ist Ballauf von Beginn an gewillt, dem Jungen zu helfen, wirkt in der ersten halben Tatort-Stunde aber oft wie ein Brüllaffe, der sich nicht in normaler Lautstärke zu artikulieren weiß: Ballaufs übertriebene Emotionalität ist eines von mehreren Beispielen dafür, dass Regisseur und Drehbuchautor Niki Stein (Willkommen in Köln) ein wenig zu dick aufträgt und das wichtige Thema, das 1995 bereits der Münchner Tatort Frau Bu lacht angerissen wurde, oft ziemlich plakativ aufarbeitet.   

Manila ist dennoch extrem unterhaltsam - die Thematik ist fesselnd, die Drehorte für Tatort-Verhältnisse exotisch wie selten (s. Bild), und es geht nicht nur im schwülen Ostasien, sondern auch im dezemberlichen Köln mitunter heiß her: Ballauf und Schenk, zum dritten Mal gemeinsam im Einsatz, zeigen sich zerstritten wie nie, weil sich plötzlich eine Frau zwischen die beiden drängt: Nein, nicht Assitentin Lissi Pütz (Anna Loos), sondern Kriminalrätin Franziska Berger (Antje Schmidt, Waidmanns Heil), die den beiden als Leiterin einer Sonderkommission vor die Nase gesetzt wird. Dass diese nicht etwa auf den Kinderprostitutionsfall, sondern auf eine Überfallserie zweier als Weihnachtsmänner maskierter Unbekannter angesetzt wird, ist ein weiterer Schwachpunkt im 383. Tatort: Statt die wertvollen Minuten in diesen recht sparsam ausgearbeiteten Nebenstrang der Handlung zu stecken, hätte Filmemacher Niki Stein sie besser in den Philippinen-Trip investieren sollen. Gerade der Showdown in einer Dschungel-Oase für pädophile Sextouristen wirkt ziemlich  konstruiert, was aber zu verschmerzen ist, denn für den hohen Unterhaltungswert dieses Kölner Tatorts ist er äußerst dienlich. Manila bleibt bis zur letzten Sekunde spannend, stürzt die Hauptkommissare von einer verzwickten Lage in die nächste und verdient sich nicht zuletzt aufgrund seiner wichtigen Botschaft das Prädikat "stark". Gelacht werden darf nämlich auch: Allein Schenks köstliches Touri-Outfit mit knallgelbem Freizeithemd, beiger Stoffhose und Sonnenbrille ist das Einschalten wert.

Bewertung: 8/10