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Hart an der Grenze

Folge: 690 | 9. März 2008 | Sender: SWR | Regie: Elmar Fischer

So war der Tatort:

Bild: SWR/Kluge
Unschwäbisch. Dass die Stuttgarter Bienzle-Nachfolger Thorsten Lannert (Richy Müller, Schattenboxen) und Sebastian Bootz (Felix Klare) lupenreines Hochdeutsch sprechen, ist langjährige Tatort-Tradition und nicht weiter verwunderlich - nicht zuletzt, weil Lannert aus Hamburg stammt ("Da kann ich mich nicht mehr blicken lassen.") und der junge Hauptkommissar Bootz mit seinen 31 Jahren den Prototyp des modernen, erfolgreichen Großstadtschwaben, der sich auch ohne "weisch" am Satz- und "-le" am Wortende zu artikulieren weiß, verkörpert. Auch Staatsanwältin Emilia Álvarez (Deutsch-Chilenin Carolina Vera Squella) und die osteuropäische Kriminaltechnikerin Nika Brankovic (Miranda Leonhardt, Mördergrube) sprechen keinen schwäbischen Dialekt - nur einer von mehreren Faktoren, die Hart an der Grenze geografisch ziemlich beliebig machen. Das Debüt der beiden Ermittler könnte eigentlich genauso gut in jeder anderen deutschen Metropole spielen - sieht man von der actionreichen Verfolgungsjagd zwischen Stuttgarter Schlossplatz und Partymeile "Theo" sowie einer kurzen Nachtsequenz in der Calwer Straße, die nur dem ortskundigen Fernsehpublikum auffallen dürfte, einmal ab.

Setzt man die neuen Stuttgarter Kommissare in Relation zu ihren Tatort-Kollegen im Jahr 2008, fallen die beiden ohnehin recht unspektakulär aus: Lannert und Bootz sind trotz einiger wortwitziger Passagen lange nicht so amüsant wie das Münsteraner Duo Thiel/Boerne, bei weitem nicht so verschieden wie die Frankfurter Sänger/Dellwo und im Tatort-Sinne erheblich klassischer als Kollege Batu aus Hamburg. Auch der Mord, den die beiden zum Auftakt aufzuklären haben, bietet wenig Spielraum, um nachhaltig Eindruck zu hinterlassen: Die Rahmenhandlung um eine zwielichtige Adoptionsagentur und ein eineiiges Zwillingspaar bietet kaum frische Ideen, gibt den beiden aber immerhin Gelegenheit, einleitend als schwules Pärchen auf Tuchfühlung zu gehen. Das macht Spaß, hievt den 690. Tatort und das Drehbuch von Holger Karsten Schmidt (Tödliche Tarnung) aber dennoch nicht über das graue Mittelmaß.

Bewertung: 5/10